Kampfeslustig in der Krise
Der Druck auf Horst Steffen nimmt zu: Wie Werder Bremen und der Trainer damit umgehen
Werder Bremen und Trainer Horst Steffen stehen nach acht Bundesliga-Spielen ohne Sieg vor einem richtungsweisenden Heimspiel-Doppelpack!
Als oben auf dem Podium alles gesagt, die Pressekonferenz nach Werder Bremens Gastspiel bei Bayer 04 Leverkusen am frühen Samstagabend also beendet war, blieb der Blick von Horst Steffen auf einem unscheinbaren Papierstapel hängen. Ein Mitarbeiter des Werksclubs hatte die Blätter akkurat ganz am Rande des großen Tisches abgelegt, auf ihnen zu lesen: die Statistiken zum Leverkusener 1:0-Erfolg.
Trainer Horst Steffen steht mit dem SV Werder Bremen vor einem richtungsweisenden Heimspiel-Doppelpack
Steffen ging die Zeilen im Vorbeigehen durch, flog über Torschüsse, Flanken, Ballbesitz- und Zweikampfquote, ehe sich ein bittersüßes Lächeln auf dem Gesicht des Trainers des SV Werder Bremen breitmachte: In all diesen Paramatern hatte seine Mannschaft die Nase vorn gehabt, gegen ein Spitzenteam wohlgemerkt, das Bayer Leverkusen fraglos ist. Das stärkte die allgemeine Bremer Sichtweise vom spielerisch anständigen Auftritt – das große Problem jedoch: Einen Sieg hatte der auch im nunmehr achten Spiel in Folge nicht eingebracht, wodurch der SV Werder Ende Januar 2026 endgültig im Abstiegskampf angekommen ist. Und der Gegenwind für Horst Steffen weiter zunimmt. Mit seiner Mannschaft steht der Rheinländer nun vor einem Heimspiel-Doppelpack gegen die TSG Hoffenheim (Dienstag, 20.30 Uhr/DeichStube-Liveticker) und Mönchengladbach (Samstag, 15.30 Uhr), der mehr als nur richtungsweisend ist.
Werder Bremen braucht einen Sieg, dringend. Das wissen alle Beteiligten. Was sie ebenfalls eint: Der öffentlich hinterlegte, felsenfeste Glaube daran, die Kehrtwende in der aktuellen Konstellation schaffen zu können. In diese Kerbe schlugen nach dem Spiel bei Bayer Leverkusen alle Bremer, die sich öffentlich zur anhaltenden Krise äußerten.
Werder Bremens Sportchef Clemens Fritz spricht Trainer „voll und ganz“ das Vertrauen aus
Da war allen voran Sportchef Clemens Fritz, der Horst Steffen „voll und ganz“ das Vertrauen aussprach – und der versicherte: „Es tut weh, aber wir werden den Weg weitergehen. Vor allem werden wir zusammenbleiben und in Ruhe weiterarbeiten. Wir werden das hinkriegen, davon bin ich überzeugt.“ Torhüter Mio Backhaus verortete seine Überzeugung in den Trainer derweil bei „100 Prozent“, während Mittelfeld-Antreiber Jens Stage den Blick zurück gen 3:3 gegen Eintracht Frankfurt richtete: „Da waren wir 20 Sekunden von drei Punkten entfernt. Ich glaube nicht, dass es etwas mit dem Trainer zu tun hat, dass wir in der 94. Minute noch ein Tor kassieren.“ Alles halb so wild also? Mitnichten.
Zwar greifen gewisse Mechanismen der Branche bei Werder Bremen traditionell später als andernorts, was jedoch nicht bedeutet, dass sie am Osterdeich vorbeigehen. Spätestens wenn nach den Heimspielen gegen die TSG Hoffenheim (Dienstag, 20.30 Uhr, live im TV) und Borussia Mönchengladbach das Warten auf einen Sieg weitergeht, wird die Kritik am aktuellen Kurs auch intern unüberhörbar laut werden. In Teilen der Fanszene ist sie es längst.
Werder Bremens Trainer Horst Steffen: „Ich bin mir sicher, dass dann die Ergebnisse kommen.“
Mit seinen 56 Jahren, seiner Vita als Bundesliga-Ex-Profi sowie seinen Erfahrungen bei vorherigen Stationen als Cheftrainer wird das auch Horst Steffen bewusst sein. Am Ende geht es immer nur um Ergebnisse, und passen die nicht, wird das Argumentieren irgendwann schwierig. Nach dem 0:1 bei Bayer Leverkusen präsentierte sich der Trainer des SV Werder Bremen jedenfalls sehr aufgeräumt – und kampfeslustig. Von Ermüdungserscheinungen war bei Steffen keine Spur.
„Ich wäre glücklicher, wenn wir mehr Spiele gewonnen hätten“, sagte er zum Status quo und betonte im selben Atemzug: „Ich bin mit sehr viel Vertrauen ausgestattet, dass es nur eine Frage der Zeit ist und alles gut wird, wenn wir so weitermachen. Ich bin mir sicher, dass dann die Ergebnisse kommen.“ Weil in Horst Steffens Augen Fortschritte da sind, was im Vergleich zu Spielen aus 2025 wie etwa gegen Augsburg (0:0) oder Stuttgart (0:4) in der Tat unverkennbar, bisher aber eben noch nicht ausreichend ist. Der große Brustlöser steht beim SV Werder Bremen weiterhin aus.
Werder Bremens Horst Steffen: „Ich sehe, was die Jungs liefern und welche Qualität sie haben. Das wird schon“
„Ich sehe, was die Jungs liefern und welche Qualität sie haben. Das wird schon“, sagte der Cheftrainer des SV Werder Bremen und ergänzte mit einem Funkeln in den Augen: „Dieses Gefühl, dass es nicht leicht ist, weckt in mir den Willen, dass wir es unbedingt überstehen wollen. In zwei Jahren schauen wir dann zurück und sagen: ,Guck mal, was das für eine Phase war. Das haben wir geschafft!‘“
Zwei Jahre. Es war ein bemerkenswerter zeitlicher Horizont, den Horst Steffen nach dem Spiel des SV Werder Bremen bei Bayer Leverkusen bemühte, womit er seine volle Überzeugung in die eigene Arbeit und das Zusammenwirken mit der Mannschaft verbal maximal verdichtete. Wohl wissend, dass zunächst einmal die nächsten zwei Spiele enorm richtungsweisend werden. (dco)
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