Üble Werder-Stimmung

Wieder kein Erfolgserlebnis, Unmut in der Kabine, Bittencourt-Ausbootung: Werder Bremens Stimmung ist auf dem Tiefpunkt

Leo Bittencourt gegen den BVB aus dem Kader gestrichen, wieder kein Erfolgserlebnis und Unmut in der Kabine - die Stimmung bei Werder Bremen ist nach DeichStube-Informationen am Tiefpunkt.

Bremen – Als die Profis des SV Werder Bremen nach der 0:3-Niederlage bei Borussia Dortmund vor den Auswärtsblock traten, prasselten neben aufmunternden Worten und vereinzeltem Beifall auch viel Unmut und Zorn auf sie ein. Nach einer Pleite per se nichts Ungewöhnliches – und dennoch ein weiteres Indiz dafür, dass die speziell im Herbst noch entspannte, gar gelöste Stimmung rund um den Osterdeich längst verschwunden ist. Stattdessen herrscht sowohl extern als auch intern deutlich vernehmbare Unzufriedenheit. Dass Werder in Dortmund über gut 60 Minuten ein gutes Auswärtsspiel lieferte, ist dabei eher ein schwacher Stimmungsaufheller, weil unter dem Strich abermals Tore und Punkte fehlten. 

Leonardo Bittencourt zählte gegen Borussia Dortmund überraschend nicht zum Kader des SV Werder Bremen, worüber der Routinier alles andere als erfreut gewesen ist. Zudem rumort es in der Kabine.

Stimmung bei Werder Bremen nach Pleite gegen Borussia Dortmund im Keller: „In der zweiten Hälfte sehr harmlos“

„Wir haben mutig gespielt, nach vorne gepresst. Aber du musst auch mal ein Tor machen. Sonst wird es schwierig“, betonte Sportchef Clemens Fritz nach der Partie. Besonders in der Anfangsphase hätte sich Werder Bremen in Person von Justin Njinmah, der gleich drei Hochkaräter liegen ließ, belohnen müssen, kassierte stattdessen jedoch passend zur aktuellen Situation nach einem Eckball den frühen Rückstand durch Nico Schlotterbeck (11.). „Die Mannschaft ist aber bei sich geblieben und hat versucht, ihre Lösungen durchzuspielen. Das ist wichtig. Das haben wir selten so gut gemacht wie heute“, hob Cheftrainer Horst Steffen hervor. Tatsächlich waren die Bremer lange Zeit die spielbestimmende Mannschaft, verpassten es nach der starken Anfangsphase jedoch, sich weitere klare Chancen herauszuspielen – trotz mehr Ballbesitz. „Zur Wahrheit gehört, dass wir in der zweiten Halbzeit im letzten Drittel sehr harmlos waren“, fasste Fritz zusammen.

Nach der Pause hatte Werder Bremen zwar zunächst weiterhin mehr vom Spiel, zwingende Abschlüsse blieben jedoch aus. Stattdessen mussten die Grün-Weißen durch die Treffer von Marcel Sabitzer (76.) und Serhou Guirassy (83.) eine unter dem Strich zwar verdiente, aber eben auch etwas zu deutliche Niederlage hinnehmen. Deren Begleiterscheinung: Seit über 280 Minuten warten die Bremer in der Bundesliga nun bereits auf ein eigenes Tor. Ein Umstand, der auch den Unmut in der Kabine stetig weiter anwachsen lässt. „Natürlich war die Stimmung schon mal besser“, sagte etwa Justin Njinmah über das aktuelle Innenleben des Teams – und bediente sich dabei einer Wortwahl, die die Lage noch beschönigt. Nach DeichStube-Informationen hängt der Kabinen-Segen gewaltig schief, einerseits ob der sportlichen Misere, klar – andererseits aber auch, weil einzelne Spieler schon seit Längerem mit ihrer persönlichen Rolle unzufrieden sind. Wie zu hören ist, soll sich die Anzahl jener Stimmen, die die Arbeit von Chefcoach Horst Steffen kritisch hinterfragen, mehren. Auch die Ausbootung von Leonardo Bittencourt für das Spiel in Dortmund weist nicht gerade auf ein gutes Klima hin. 

So sehen Fans das Heimspiel des SV Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt live im TV und Livestream!

Ausbootung von Leonardo Bittencourt - Kabinen-Segen bei Werder Bremen hängt schief

Horst Steffen begründete seine Entscheidung nach dem 0:3 mit sportlichen Aspekten: „Ich fand ein paar Jungs ganz gut, die dann den Vorzug bekommen haben. Deshalb habe ich belohnt, was diese Jungs gemacht haben.“ Was mindestens bemerkenswert ist. Zwar hat Leonardo Bittencourt gewiss nicht mehr den sportlichen Mehrwert vergangener Jahre – und trotzdem gehörte er in der laufenden Saison immer dem Kader an, wenn er fit war. Dass nun Skelly Alvero erstmals den Vorzug bekam, verwundert – zumal der Franzose als sportlich aussortiert gilt und den Verein bekanntlich am besten noch im Winter verlassen soll. Wie zu hören ist, soll Bittencourt auf die Ausbootung mit großem Unverständnis reagiert haben. „Er war nicht happy“, bestätigte auch Steffen, ohne weiter ins Detail gehen zu wollen. Eine Personalie, die den derzeit angespannten Gemütszustand am Osterdeich gut widerspiegelt – und die für das Trainerteam des SV Werder Bremen durchaus Zündstoff birgt. Bittencourts Wort hat in der Kabine bekanntlich schon seit Jahren großes Gewicht.

Für Werder Bremen und Horst Steffen ist es nun entscheidend, so schnell wie möglich mit Erfolgserlebnissen auf dem Platz wieder für Ruhe zu sorgen – im besten Fall bereits am Freitag während des Heimspiels gegen Eintracht Frankfurt (20.30 Uhr, DeichStube-Liveticker). „Ich finde, man hat gesehen, dass die Jungs selbstbewusst sind“, betonte der Bremer Coach nach der Niederlage in Dortmund: „Sie haben den Torabschluss nicht geschafft, aber sie haben trotzdem Selbstvertrauen ausgestrahlt. Das dürfen sie nun gerne mit in das Spiel gegen Frankfurt nehmen.“ Andernfalls könnten die kommenden Tage am Osterdeich noch unruhiger werden, als sie es ohnehin schon sind. (bvo)

Rubriklistenbild: © IMAGO / nph / gumzmedia

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