Thioune skizziert Plan

Werder sucht weiter den Knipser im Abstiegskampf: Rückt Musah ins Rampenlicht?

Werder Bremen braucht dringend einen Torjäger. Bekommt Salim Musah jetzt seine Chance? Wie Trainer Daniel Thioune mit dem Sturm-Talent plant.

Jens Stage wird diesmal nicht helfen können, wenn es darum geht, die so dringend benötigten Tore zu erzielen. Der Mittelfeldmotor und mit sieben Treffern beste Torschütze des SV Werder Bremen wird den Grün-Weißen am Samstag im enorm wichtigen Auswärtsspiel beim VfL Wolfsburg (15.30 Uhr/DeichStube-Liveticker) aufgrund einer Gelbsperre nicht zur Verfügung stehen. Womit das ohnehin in dieser Spielzeit lahmende Bremer Offensivspiel einen weiteren Dämpfer erhält. Umso mehr wächst damit der Druck auf die vorhandenen Angreifer. Großes Problem: Gerade im Sturm sucht Werder weiterhin nach einem Torgaranten.

Schlägt jetzt seine Stunde beim SV Werder Bremen? Top-Talent Salim Musah winkt nach Debüt gegen Mainz mehr Spielzeit.

Jovan Milosevic verletzt, Keke Topp sucht Form: Bekommt Sturm-Talent Salim Musah bei Werder Bremen jetzt seine Chance?

Dabei sah es vor ein paar Wochen noch danach aus, als wäre in Jovan Milosevic der Heilsbringer gefunden worden. Der Leihspieler vom VfB Stuttgart brauchte zwar einige Wochen nach seinem Wechsel im Januar, um sich in die Startformation des SV Werder Bremen zu spielen, erzielte in seinen ersten acht Partien jedoch gleich drei Treffer. Doch genau in der Phase, in der sich der junge Serbe dauerhaft für einen Startelfeinsatz empfahl, bremsten ihn Rückenschmerzen aus, die auch einen Einsatz am Wochenende verhindern. Womit die Suche nach dem festen Mittelstürmer für Cheftrainer Daniel Thioune weitergeht. „Es ist kein Geheimnis, dass wir gerade in der vordersten Linie nicht den Spieler besitzen, der uns zehn oder mehr Tore garantiert“, sagt der Bremer Übungsleiter vor der Partie bei den Niedersachsen. „Ich wäre aktuell erst einmal froh, wenn mir wieder jemand ein Tor garantiert.“

Einen Wunsch, den Keke Topp zuletzt nicht erfüllen konnte. Zweimal in Folge durfte der Gnarrenburger von Beginn an ran, beide Male wechselte ihn Thioune nach jeweils sehr dürftigen Auftritten zur Halbzeit wieder aus. „Ich hatte zuletzt einen Mittelstürmer, der etwas einstecken musste“, antwortet Thioune auf die Frage, welcher Profi des SV Werder Bremen offensiv für den benötigten „Punch“ sorgen soll – in Anspielung auf Topp. „Das ist aber auch eine Chance für diejenigen in der Offensive, die sich zuletzt nicht so viel zeigen durften.“ Womit Nachwuchsstürmer Salim Musah in den Fokus rückt. Der gebürtige Oldenburger setzte in der Vorwoche bei seinem Profi-Debüt nach Einwechslung gegen Mainz (0:2) positive Akzente. Speziell durch einen beherzten Abschluss nur wenige Sekunden nach seiner Hereinnahme produzierte er im Weserstadion ein Raunen.

Salim Musah rückt beim SV Werder Bremen mehr in den Fokus – wie Trainer Daniel Thioune plant

„Er hat in der kurzen Spielzeit gegen Mainz gezeigt, dass er nicht nur gekommen ist, um dabei zu sein, sondern dass er auch ein bisschen mehr möchte“, lobt Thioune. Dass Salim Musah grundsätzlich das Mittelstürmer-Gen in sich trägt, zeigte der 1,98 Meter große Angreifer bereits im Juniorenbereich sowie in dieser Saison im Trikot der Bremer U23. Dort erzielte Musah bei acht Einsätzen in der Regionalliga Nord starke fünf Treffer. Unter anderem auch ein Grund dafür, weshalb Thioune am Donnerstag verriet, dass der junge Stürmer erstmals von Trainer Hannes Wolf zur deutschen U20-Nationalmannschaft eingeladen wurde. „Das freut uns alle, und das kann auch noch einmal ein Beschleuniger für ihn sein“, betont Thioune mit Blick auf die kommenden Wochen. In denen könnte die jugendliche Frische von Musah im Kampf um den Klassenerhalt ein Faktor für Werder Bremen werden. „Ein junger Spieler wie er hat keinen Druck, sondern darf genießen“, macht der Bremer Coach deutlich. Fraglich ist jedoch, inwiefern sich diese Aussage angesichts der bedrohlichen Tabellenlage tatsächlich in die Praxis umsetzen lässt. Dennoch ist eine gewisse Unbekümmertheit genau das, was den Grün-Weißen seit Monaten offensiv abhandengekommen ist.

Keine neue Offensivhoffnung, aber mehr Spielzeit: Rückt Salim Musah bei Werder Bremen ins Rampenlicht?

Dass in Salim Musah nun die neue Offensivhoffnung gefunden wurde, so weit will Thioune noch nicht gehen. „Auch bei ihm müssen wir geduldig sein, er ist kein Heilsbringer. Aber jemand, der seine Chance nutzen kann und nutzen darf, wenn er auf dem Platz steht.“ Dass er das in Wolfsburg – voraussichtlich erneut zunächst von der Bank, aber möglicherweise mit mehr Minuten als zuletzt gegen Mainz – tun darf, stellte Thioune bereits in Aussicht. Unabhängig davon, ob am Ende Musah, Topp oder Marco Grüll die vordere Sturmposition bekleiden wird: Thioune fordert von seinem Team am Wochenende wieder mehr Schärfe im letzten Drittel. „Wir waren gegen Mainz wieder dort, wo wir vor ein paar Wochen schon standen: zwischen den Sechzehnern gut und in den Strafräumen nicht ausreichend“, so der Cheftrainer des SV Werder Bremen, der prognostiziert: „Das wird uns bis zum Ende der Saison begleiten.“

Inwiefern ein junger Spieler mit kaum vorhandener Bundesliga-Erfahrung die Lösung sein kann, wird sich zeigen müssen. Positiv ist, dass sich Salim Musah, der über einen längeren Zeitraum in dieser Saison mit Oberschenkelverletzungen und muskulären Problemen zu kämpfen hatte, derzeit in einem fitten Zustand präsentiert und somit überhaupt eine weitere Offensivoption darstellt. Schließlich braucht Werder Bremen im Abstiegskampf eine höhere Effizienz. „Wir müssen – so wie es Mainz gegen uns gemacht hat – aus wenigen Chancen maximal viel herausholen, um dann auch wieder etwas auf der Anzeigetafel zu verändern“, betont Daniel Thioune. (bvo)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Malte Ossowski/SVEN SIMON

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