Wie weit ist Werder?

Viele Verletzte, fehlende Transfers: Ist Werder wirklich weiter als vor einem Jahr?

Kurz vorm Pflichtspielstart hat Werder Bremen mit vielen Verletzten und fehlenden Transfers zu kämpfen. Ist der SVW wirklich weiter als vor einem Jahr?

Das sommerliche Fernsehprogramm ist traditionell reich an Wiederholungen, doch auch beim SV Werder Bremen schwingt das Gefühl mit, bereits Gesehenes erneut mitzuverfolgen. Allerlei Spieler fallen verletzt oder zumindest angeschlagen aus, wichtige Transfers sind kurz vor dem Pflichtspielstart noch nicht getätigt. Da lässt sich allzu leicht unken, dass die neue Saison ähnlich unangenehm werden wird wie die vergangene – oder gar noch schlimmer?

Amos Pieper hat während des Harsewinkel-Trainingslagers ausführlich über den Stand der Vorbereitung und die nahende neue Saison des SV Werder Bremen gesprochen.

Ist Werder Bremen wirklich weiter als vor einem Jahr? Amos Pieper: „Ich glaube, da waren die Ausfälle schwerwiegender“

„Ich glaube, da waren die Ausfälle schwerwiegender und der Kader von Grund auf kleiner. Sprich: Da konnten wir das noch weniger kompensieren“, verneint Innenverteidiger Amos Pieper unliebsame Parallelen zur Vorsaison des SV Werder Bremen. „Das könnten wir jetzt immer noch – selbst wenn morgen der erste Spieltag wäre.“

So schnell geht es dann doch nicht. Zunächst einmal wird noch zwei Tage lang im ostwestfälischen Harsewinkel unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert. Am kommenden Samstag folgt dann beim „Tach der Fans“ die Saison-Generalprobe gegen den französischen Erstligisten AJ Auxerre, eine „letzte Standortbestimmung“, wie es Amos Pieper nennt, wo die einstudierten Abläufe sitzen sollen, „um mit einem guten Gefühl ins erste Spiel zu gehen“. Das steht für Werder Bremen dann im Pokal gegen Fünftligist Lüneburger SK an (22. August), ehe es in der Bundesliga erstmals gegen Freiburg (30. August) so richtig ernst wird.

Und allen Begleitumständen zum Trotz: Den jetzigen Aufenthalt im Hotel Klosterpforte betrachten sie bei Werder als äußerst wertvoll – wie auch die gesamte bisherige Arbeit. So unbefriedigend der jüngste Test gegen den SC Paderborn (2:2) spielerisch auch gewesen sein mag und einem kleinen Dämpfer gleichkam. „Ich glaube, dass es in ein paar Wochen nicht mehr relevant ist“, sagt Daniel Thioune. „Wenn wir dann zeigen, dass eine gewisse Widerstandsfähigkeit da ist, dann würde ich sagen, dass es sogar eine optimale Vorbereitung war. Ich hätte deutlich mehr Bauchschmerzen, wenn wir jetzt fünf Vorbereitungsspiele einfach verloren hätten und völlig widerstandsunfähig gewesen wären.“

Werder Bremens Abwehrmann Amos Pieper über Paderborn-Test: „Es ist auch noch nicht krass alarmierend“

Einen ähnlichen Eindruck vermittelt Amos Pieper. „Wir haben ordentlich gearbeitet, auch hier wieder. Ich kann niemandem einen Vorwurf machen, alle hauen sich rein und die Intensität ist gut. So stellt man sich das vor“, betont der 28-Jährige. „Mit Blick auf das Paderborn-Testspiel geht vieles mit und gegen den Ball besser, da hätte ich es mir schon gewünscht, dass wir einen Schritt weiter sind. Aber es ist jetzt auch noch nicht krass alarmierend, dass wir sagen würden: Boah, es läuft irgendwie gar nichts. Die Jungs, die da sind, plus die, die noch zurückkommen werden, geben mir ein gutes Gefühl.“

Einer, der garantiert nicht mehr da sein wird, ist Romano Schmid, „mit unser bester Fußballer in der letzten Saison“, wie Pieper hervorhebt. Folglich reißt der Wechsel des Österreichers nach Italien automatisch eine Lücke – bietet aber auch Chancen. „Er hat ganz viel kreiert für uns, ganz viel geackert, ist gelaufen und hat das Spiel nach vorne transportiert oder Eins-gegen-eins-Situationen auflösen können, die unserem Spiel guttaten“, zählt Amos Pieper auf. „Von daher wird er uns fehlen. Und trotzdem haben wir Jungs, die das auffangen können.“

Amos Pieper über Romano Schmids Abgang von Werder Bremen: „Er wird fehlen, trotzdem haben wir Jungs, die das auffangen können“

Einen Chuki zum Beispiel, meint der Abwehrmann, doch auch der junge Spanier muss sich selbstredend erst einmal an den Fußball im deutschen Oberhaus gewöhnen. Und selbst wenn noch Neuzugänge kommen – auch die müssen erst einmal wieder in die Mannschaft integriert werden, damit Werder erfolgreich sein kann. Noch so eine Parallele zum Vorjahr, als die Anlaufzeit teils lang war und Trainer Horst Steffen quasi am offenen Herzen operierte, um Erfolge zu erzielen. Schön war die Zeit nicht, für den Coach und für Werder Bremen. Ob Daniel Thioune einen ähnlichen Hindernisparcours bewältigen muss, ist noch nicht abschließend zu beantworten.

Zumindest Amos Piepers Puls schlägt noch ruhig, wenn er auf die dringend notwendigen Verstärkungen schaut, die Fußball-Chef Clemens Fritz und Peter Niemeyer als Werders Leiter Profifußball versprochen haben. Nervös sei er jedenfalls nicht, bekräftigt der Defensivspieler des SV Werder Bremen. „Es ist immer wünschenswert, so früh wie möglich die Mannschaft, die es dann am Ende richten soll, zusammenzuhaben. Wenn die beiden das aber sagen, dann ist das doch gut. Dann wird das am Ende unsere Qualität erhöhen.“

Werder Bremens Innenverteidiger Amos Pieper über die neue Saison: „Da habe ich richtig Bock drauf“

Und eine Spielzeit bescheren, so Amos Piepers Wunsch, die dann doch keineswegs der vorherigen ähnelt. „Ich freue mich, in der Konstellation, in der wir hier sind, in die nächste Saison gehen zu dürfen. Da habe ich richtig Bock drauf. Was ich schon jetzt mit komplett hundertprozentiger Überzeugung sagen kann: Einige, die die ganze Vorbereitung mitgemacht haben, wirken schon sehr spritzig und sehr stabil.“ (mbü)

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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