Thioune läuft die Zeit davon

Viele Fragezeichen vor dem Start: Wo Werder kurz vor Beginn der Bundesligasaison wirklich steht

Verletzungssorgen, offene Personalfragen und ein dürftiger Auftritt im DFB-Pokal – beim SV Werder Bremen läuft noch längst nicht alles rund.

Die Szene direkt als Sinnbild hochzustilisieren, wäre vermutlich übertrieben. Und doch kam der Betrachter am Sonntagmittag nicht umhin, ihr eine gewisse Symbolkraft zuzusprechen. Als das kurzfristig anberaumte Testspiel des SV Werder Bremen gegen den Drittligisten SV Meppen (3:1) gerade begonnen hatte, setzte über den Trainingsplätzen am Osterdeich urplötzlich sturzbachartiger Regenfall ein – mittendrin: Werders Cheftrainer Daniel Thioune.

Hat aktuell das eine oder andere Sorgenkind bei Werder Bremen: Trainer Daniel Thioune.

Verantwortliche des SV Werder Bremen unzufrieden mit DFB-Pokal-Auftritt gegen Lüneburg

Anders als die Ersatzspieler und Offiziellen flüchtete der 52-Jährige nicht etwa unter den kleinen Pavillon am Spielfeldrand, sondern ließ sich einige Meter davon entfernt stoisch das Wasser auf die Kapuze prasseln. Dass der Trainer angesichts zahlreicher Baustellen innerhalb seines Kaders kurz vor dem Saisonauftakt beim SV Werder Bremen allein im Regen stehen gelassen wird, ist als Lesart zwar zu hart – dass Daniel Thioune in den kommenden Wochen sehr wahrscheinlich Widerstände aushalten und moderieren muss, trifft aber definitiv zu.

Die Sonne, sie scheint am Osterdeich nicht ununterbrochen – sportlich schon gar nicht. Das wurde direkt nach dem ersten Pflichtspiel der Saison 2026/27 deutlich, als sich unisono alle Bremer kritisch über ihren schwachen DFB-Pokal-Auftritt gegen den Oberligisten Lüneburger SK Hansa (3:0) äußerten.

„Nicht alle konnten in ihren Rhythmus kommen“: Wo steht Werder Bremen vor dem Bundesliga-Start?

Während Sportchef Clemens Fritz mangelnde Gedankenschnelle und zu viel Trägheit monierte, hatte Thioune vor allem vor der Pause zu geringes Spieltempo gesehen und war mit der Erledigung der Positionsaufgaben einiger Spieler „nicht einverstanden“. Fazit beider Männer: Bis zum Bundesliga-Auftakt beim SC Freiburg (Sonntag, 15.30 Uhr im DeichStube-Liveticker) wartet noch viel Arbeit auf Werder Bremen, das dafür aber nicht mehr viel Zeit zur Verfügung hat. Wo also stehen die Bremer kurz vor dem Start? Wie bereit sind sie für die Rückkehr in den Wettkampfmodus?

Klar ist: Ähnlich wie im vergangenen Jahr war auch die Sommer-Vorbereitung 2026 von zahlreichen Verletzungen geprägt. Phasenweise standen 13 (!) Profis zeitgleich nicht zur Verfügung. „Es war eine wechselhafte Vorbereitung“, sagt Fritz. „Wir sind gut reingekommen und konnten an den Themen, die wir uns vorgenommen hatten, arbeiten. Dann kamen aber Verletzungen und Krankheiten, weshalb wir kurzfristig immer wieder herumschieben mussten. Es ist schwierig zu sagen, wo wir stehen. Uns muss aber allen bewusst sein, dass wir noch mehr tun müssen, denn nicht alle Spieler konnten bisher in ihren Rhythmus kommen.“

Verletzungsprobleme erschweren Arbeit von Trainer Daniel Thioune beim SV Werder Bremen

Senne Lynen etwa, Stammspieler auf der Sechserposition, verpasste wegen einer Bauchmuskelzerrung alle Testspiele des SV Werder Bremen und stand im DFB-Pokal gegen Lüneburg zum ersten Mal überhaupt seit dem letzten Spieltag auf dem Platz. Mit den Langzeitverletzten Mitchell Weiser und Felix Agu kann Thioune – anders als erwartet – weiterhin gar nicht planen, hinter Niklas Stark steht ohnehin ein Dauer-Fragezeichen und Neuzugang Oskar Wojcik wurde ebenfalls von körperlichen Beschwerden ausgebremst. Hinzu kommt, dass die jüngsten Neuzugänge Niclas Füllkrug, Eren Dinkci und Ludovit Reis, die die Mannschaft insgesamt stärker machen dürften, erst noch ganz frisch dabei sind.

Die Abläufe und Automatismen sitzen bei Werder Bremen dementsprechend noch nicht, das hat neben dem spielerisch dürftigen Pokalauftritt gegen Lüneburg auch der Test am Sonntag gegen Meppen gezeigt, nach dem Thioune deutlich kritisierte, dass sich kein Akteur aus der zweiten Reihe nachhaltig habe aufdrängen können: „Die Spieler, die sonst eher weniger spielen, müssen mir einfach zeigen, dass ich damit einen Fehler mache.“ Künftig können sie es nur noch unter Wettbewerbsbedingungen tun. Nach wie vor ist nicht ausgeschlossen, dass sie dabei innerhalb der nächsten Woche noch neue Konkurrenten bekommen.

Werder-Coach Thioune kritisiert Leistung im Testspiel gegen Meppen

Werder Bremen möchte weiterhin einen Rechtsverteidiger und einen Mittelfeldspieler dazuholen, muss vorher aber erst Profis verkaufen, um finanziell handlungsfähig zu sein. Auch das sorgt für Ungewissheit, denn fertig ist der Kader noch nicht – allerdings auch nicht mehr so weit davon entfernt wie im vergangenen Jahr zum vergleichbaren Zeitpunkt.

Bei allem Knirschen und Holpern, das die vergangenen Werder-Wochen begleitet hat – den Eindruck erwecken, dass er grundsätzlich unzufrieden ist, wollte Daniel Thioune nicht. Weshalb er den Blick betont positiv Richtung Freiburg (Werder live im TV und Livestream) lenkte. „Zeit haben wir keine mehr, aber ich glaube trotzdem, dass wir es schaffen, am nächsten Wochenende Wettkämpfer auf den Platz zu bekommen, die in einer guten körperlichen Verfassung sind und sicherlich auch Fußball spielen können, um Freiburg Probleme zu bereiten.“ Das würde die Wahrscheinlichkeit auf einen angenehmen Saisonauftakt bei Werder Bremen deutlich erhöhen. (dco)

Rubriklistenbild: © IMAGO/DeFodi.de

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