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Gold, Silber und Seltene Erden: Wie der Klimawandel Grönlands Bodenschätze zu Trumps Zielscheibe macht
Grönlands Eis schmilzt und legt Rohstoffe im Billionenwert frei. US-Präsident Trump droht mit militärischer Gewalt. Doch die Realität ist komplizierter.
Grönlands Eisspanzer wird langsam dünner– und legt Rohstoffe frei, die die globalen Machtverhältnisse verschieben könnten. Die Vorkommen von Gold, Silber, Platin, Palladium, Seltenen Erden, Uran und Strontium zählen nach Angaben der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe zu den größten der Welt.
US-Präsident Donald Trump drohte kürzlich auf der internationalen Bühne mit militärischer Gewalt, um die größte Insel der Welt unter Kontrolle zu bringen. „Wir brauchen Grönland für die internationale Sicherheit. Wir brauchen es. Wir müssen es haben“, erklärte Trump. Doch hinter der Rhetorik stehen handfeste wirtschaftliche Interessen in einer Zeit, in der die USA unter einem massiven finanziellen Druck stehen.
Chinas Rohstoffmonopol zwingt USA zum Handeln: Internationale Sicherheit als Scheinargument für Rohstoffinteressen
Während ein Euro 2005 noch durchschnittlich 1,24 US-Dollar wert war, lag der Kurs Ende 2025 bei etwa 1,04 Dollar – oberflächlich betrachtet ein Zeichen von Dollar-Stärke. Doch diese Aufwertung täuscht über die strukturellen Probleme der US-Wirtschaft hinweg: China verfolgt seit Jahren eine systematische Dedollarisierungsstrategie und dominiert kritische Rohstoffe. China produziert 90 Prozent der weltweit verwendeten Seltenerdmagnete, unverzichtbar für Elektronik-, Auto- und Rüstungsindustrie. Im Herbst 2025 beschränkte China zeitweise die Ausfuhr Seltener Erden – ein Warnschuss, der die westliche Verwundbarkeit offenlegte.
Und hier liegt die Krux: Die grönländischen Vorräte an Seltenen Erden reichen laut Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe aus, um den gegenwärtigen Weltbedarf für etwa 150 Jahre zu decken. Grönland besitzt mit Kvanefjeld das drittgrößte Seltene-Erden-Vorkommen der Erde. Und das Vorkommen Kringlerne ist das derzeit weltweit größte bekannte Vorkommen an schweren Seltenen Erden.
Rohstoffkriege des 21. Jahrhunderts – Der Klimawandel als Türöffner
Grönland verfügt vermutlich über ausreichende Reserven an Dysprosium und Neodym, um mehr als ein Viertel des prognostizierten zukünftigen weltweiten Bedarfs zu decken – insgesamt fast 40 Millionen Tonnen. „Diese Elemente werden zunehmend als die wirtschaftlich wichtigsten, aber auch am schwierigsten zu beschaffenden Seltenerdmetalle angesehen, da sie für die Windkraft, Elektromotoren für umweltfreundlichen Straßenverkehr und Magnete in Hochtemperaturumgebungen wie Kernreaktoren unverzichtbar sind“, betont der Geowissenschaftler Jonathan Paul von der University of London in einem Gastbeitrag auf The Conversation.
Die strategische Bedeutung Grönlands erklärt sich aus drei zentralen Faktoren: Erstens hat Grönland durch seine Lage zwischen Nordamerika und Russland militärische Bedeutung. Schon seit dem Kalten Krieg unterhält das US-Militär hier eine Basis. Zweitens ist Grönland reich an Rohstoffen – neben Erdgas, Erdöl, Silber, Platin und Uran finden sich dort auch Gold- und massive Trinkwasservorkommen. Doch weil Grönland größtenteils von einem dicken Eisschild bedeckt ist, ist der Abbau der Bodenschätze noch schwierig und teuer. Durch den Klimawandel wird die Eisdecke jedoch mit jedem Jahr dünner. Seit 2002 sind teilweise bis zu sechs Meter Eismasse verloren gegangen. Dadurch werden sich drittens auch Schifffahrtsrouten durch das Nordpolarmeer dauerhaft öffnen – die Nordostpassage zwischen Europa und Asien und die Nordwestpassage zwischen Nordamerika und Asien. Das würde Transportwege stark verkürzen.
Diese Länder besitzen die wertvollsten Rohstoffe der Erde
Bodenschatzvorkommen Grönland im Realitätscheck: Milliarden-Investitionen und fehlende Infrastruktur
Der US Geological Survey schätzt, dass das Onshore-Gebiet im Nordosten Grönlands rund 31 Milliarden Barrel Öl-Äquivalent an Kohlenwasserstoffen enthält – das entspricht etwa dem gesamten Volumen der nachgewiesenen Rohöl-Reserven der USA. Doch zwischen Trumps Begehrlichkeiten und der Realität liegen Welten. „Wenn Sie wegen der Bodenschätze nach Grönland gehen wollen, dann sprechen wir hier von Milliarden und Abermilliarden US-Dollar und einer extrem langen Zeit, bevor sich jemals etwas daraus ergibt“, warnt Anthony Marchese, Vorsitzender der Texas Mineral Resources Corporation, gegenüber Fortune. Das extreme Klima, das Fehlen jeglicher Infrastruktur, der Mangel an Fachpersonal und die sehr hohen Energiekosten erschweren den Bergbau erheblich.
Die USA kämpfen derzeit mit wirtschaftlichen Herausforderungen. Trump ordnete den staatlich unterstützten Hypothekenfinanzierern Fannie Mae und Freddie Mac an, bis zu 200 Milliarden Dollar in hypothekenbesicherte Anleihen zu investieren, um den Wohnimmobilienmarkt zu stützen – eine quasi-sozialistische Intervention, mit der er womöglich eine Wiederholung der Immobilienblase von 2007 und den Zusammenbruch von Lehman Brothers verhindern wollte. Laut der Nachrichtenagentur Reutersgibt es jedoch kaum Belege, dass dieser Versuch den gewünschten Effekt erzielt. „Es ist größtenteils eine Übung im Geldverbrennen“, sagte Joseph Brusuelas, Chefökonom bei RSM US LLP, gegenüber Reuters. „Die USA haben kein Nachfrage- oder Finanzierungsproblem im Wohnungskomplex, sie haben ein Angebotsproblem.“
Forbeszufolge liegt der durchschnittliche Hypothekenzins für 30 Jahre bei etwa 6,09 Prozent, während der durchschnittliche Zinssatz für bestehende Hypotheken laut Federal Housing Finance Agency im dritten Quartal 2025 bei nur 4,4 Prozent lag. Diese Zinsdifferenz von fast zwei Prozentpunkten lähmt den Immobilienmarkt: Hausbesitzer mit günstigen Altverträgen scheuen den Verkauf, weil eine Neufinanzierung deutlich teurer wäre – das verschärft die Angebotsknappheit.
Trumps Grönland-Ambitionen offenbaren einen neuen US-Imperialismus: Rohstoffe sichern, Einflusszonen erweitern – notfalls auch gegen den Willen europäischer Verbündeter.
Schwächelnder Dollar gefährdet globale Sicherheit: Anleger verlieren Vertrauen in US-Staatsanleihen
Die geopolitischen Spannungen haben an den Börsen bereits Konsequenzen. Der dänische Pensionsfonds Akademiker Pension verkündete kürzlich, seine gesamten Bestände an US-Staatsanleihen im Wert von rund 100 Millionen US-Dollar abzustoßen. Auch der schwedische Pensionsfonds Alecta verkauft US-Anleihen mit der Begründung der geringen Vorhersehbarkeit der US-Politik. Investmentchef Scheide betonte, es gebe keinen direkten Zusammenhang mit dem Streit um Grönland, räumte jedoch ein, dass die Spannungen zwischen den USA und Europa die „Entscheidung allerdings nicht erschwert“ hätten. US-Finanzminister Bessent erklärte, der Schritt sei „wie Dänemark selbst irrelevant“.
Es bleibt festzuhalten, dass der Kampf um Grönlands Bodenschätze die geopolitischen Verwerfungen des 21. Jahrhunderts offenbart. Während China seine Rohstoffmonopole ausbaut, versuchen die USA, durch aggressive Territorialpolitik Zugang zu kritischen Ressourcen zu sichern. Die enormen Investitionskosten, die fehlende Infrastruktur und die ökologischen Risiken stehen einer schnellen Ausbeutung entgegen. Doch in einer Welt, in der Rohstoffkontrolle zunehmend über geopolitischen Einfluss entscheidet, könnte selbst das bloße Potenzial Grönlands ausreichen, um die Insel zum Schauplatz eines „neuen“ Kalten Krieges zu machen. (ls)