Nur nichts rechts liegen lassen
Werder Bremens Endspurt auf dem Weg zum Transfer – wer spielt als Rechtsverteidiger?
Die Rechtsverteidiger-Position ist beim SV Werder Bremen eine große Baustelle. Wie die Grün-Weißen bis zum anvisierten Transfer planen.
Eigentlich stammt Marco Grüll ja aus Österreich, doch sein Trainer hat ihm einen neuen Spitznamen verpasst – und der sorgt für eine geographische Verschiebung der Verhältnisse. Genauer gesagt: in ein westliches Nachbarland der Alpenrepublik. „Marco ist für mich ein Schweizer Taschenmesser“, sagt Daniel Thioune wertschätzend, wenn er neuerdings über die Flexibilität des Profis spricht, der eigentlich in der Offensive zu Hause ist. „Er ist grundsätzlich kein Außenverteidiger. Ich weiß aber, dass er es kann. Ich kriege diese Verlässlichkeit von ihm, die taktische Disziplin.“
Entschieden hat sich der Coach des SV Werder Bremen zuletzt dennoch gegen Grüll, schickte stattdessen Mick Schmetgens als rechten Part der Viererkette im Pokalspiel gegen Lüneburg (3:0) von Beginn an ins Rennen. Der amtierende U19-Vize-Europameister meisterte die Prüfung ordentlich, obwohl er eigentlich in der Abwehrzentrale zu Hause ist. Was zeigt, dass Thioune durchaus Lösungen im Kader hat – und doch möchte der Trainer die Personalprobleme auf der rechten Defensivseite natürlich möglichst schnell behoben wissen. Daran hapert es. Noch.
Transfer mit Priorität: Der SV Werder Bremen sucht noch nach einem Rechtsverteidiger
Seit Wochen schon läuft am Osterdeich die Suche nach einem neuen Rechtsverteidiger, es wurden Gespräche geführt und Optionen abgeklopft, bisher ohne Resultat. Kurzum: Eine Woche vor dem Schließen des Transferfensters plagt Werder Bremen noch immer eine unangenehme Vakanz. Weshalb weiter unter Hochdruck daran gearbeitet wird, dass sich diese Situation ändert. Nach Informationen der DeichStube genießt die Defensivbaustelle inzwischen höchste Priorität im Transfer-Endspurt, gefahndet wird nach einem variabel einsetzbaren Verteidiger, der sowohl rechts als auch innen spielen kann. Da Werder auch nach dem Verkauf von Karim Coulibaly penibel auf jeden Cent achten muss, ist eine Leihe mittlerweile das wahrscheinlichste Modell – es sei denn, es tut sich unverhofft noch eine andere kreative Lösung auf.
Interner Konsens ist: So wie es derzeit aussieht, kann es nicht bleiben. Bei Felix Agu und Mitchell Weiser ist überhaupt nicht abzusehen, wann sie wieder ein Faktor im Spiel des SV Werder Bremen sein können. Nicht einmal temporär begrenzte Einsätze sind in Reichweite. Daher müssen es erst einmal die Herren Grüll und Schmetgens richten. Oder zumindest einer von ihnen. „Am Ende wird eine Entscheidung fallen, wer es am nächsten Wochenende macht. Ich habe jetzt erst mal keine Bauchschmerzen, aber klar ist, dass wir uns auf dem Markt noch Gedanken machen“, sagt Thioune.
Vor Transfer: Spielt Mick Schmetgens oder Marco Grüll als Rechtsverteidiger beim SV Werder Bremen?
Möglich, dass die Wahl gegen Freiburg erneut auf Schmetgens fällt. Gegen einen Oberligisten wie Lüneburg wirkt ein Datenvergleich zugegebenermaßen ein wenig windschief, und doch hat der 18-Jährige im Laufe des Pokal-Nachmittages brauchbare Werte zusammengesammelt. Exakt zwölf Kilometer war er unterwegs, was sonst nur noch Werder Bremens Ludovit Reis sowie Olivier Deman, Schmetgens‘ Pendant auf der linken Seite, mit jeweils zusätzlichen 400 Metern überboten haben.
Darüber hinaus hat der gebürtige Buxtehuder 93 Prozent seiner Pässe an den Mitspieler gebracht, 57 Prozent der Zweikämpfe gewonnen, und zwei von vier Flanken waren auch noch angekommen. Eine Basis, auf der sich aufbauen lässt, weshalb Daniel Thioune über den Junioren-Nationalspieler sagt: „Er ist noch so jung, dass er auch als Rechtsverteidiger ausgebildet werden kann.“ Für Schmetgens aktuell die größte Chance, dass seinen bislang zwei Bundesliga-Auftritten schnell weitere hinzukommen.
Der defensive Mick Schmetgens oder offensive Marco Grüll? Wer gibt bei Werder Bremen den Rechtsverteidiger?
Verdient hätte er es, wie Clemens Fritz hervorhebt. „Wir dürfen es nicht an einem Spiel festmachen, sondern machen es an der ganzen Vorbereitung fest. Da hat Mick definitiv Punkte gesammelt“, betont der Geschäftsführer Fußball des SV Werder Bremen. „Er ist ein sehr junger Spieler, der seine Erfahrungen sammeln wird. So wie ich ihn kenne, hat er diese Stabilität in sich. Er hat so viele Punkte gesammelt, dass wir ihm viel zutrauen.“ Gleiches gilt aber auch für Marco Grüll, der die offensivere Variante des Duos wäre. Erst kürzlich hatte Peter Niemeyer, Werders Leiter Profifußball, gegenüber der DeichStube betont, dass der 28-Jährige unbedingt in Bremen bleiben solle und es keinerlei Überlegungen gebe, ihn abzugeben.
Da passte es ganz gut ins Bild, dass ausgerechnet Grüll es war, der im kurzfristig einberufenen Test am Sonntag gegen Meppen (3:1) alle Bremer Treffer erzielte und sogar die Kapitänsbinde trug. „Neben dem Umstand, dass er Tore schießen kann, kann er auch Verantwortung übernehmen“, lobt Daniel Thioune. „Das hat man bei seinem Elfmeter gesehen und bei dem, den er danach an Salim Musah übergeben hat.“
Doch demnächst warten wieder wesentlich größere Aufgaben auf Grüll, wenn die Liga läuft. Da muss auch er besser funktionieren als in der Vorsaison. Denn das eigentliche Kerngeschäft findet für ihn im Angriff statt, und dort gibt es keinen Freifahrtschein. Weil ein anderer Jungspund ebenfalls Ansprüche anmeldet. Statt Mick Schmetgens heißt der Konkurrent dort Paul Erevbenagie, der im Pokal vor Grüll auf den Platz durfte. „Wenn ich ihn vor Marco Grüll einwechsele“, erklärt Thioune, „dann sieht man: Der Kampf ist aufgenommen“. Rechtshinten soll das schleunigst auch gelten, mit einem „echten“ Rechtsverteidiger. (mbü)
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