Werder-Saisonzeugnis - Teil 3
Harmlose Offensive – mit einem Lichtblick: Das große Werder-Saisonabschlusszeugnis, Teil 3
Wie haben sich die Profis des SV Werder Bremen in der Saison 2025/26 geschlagen? So fällt das Zeugnis für die Spieler aus - Teil 3: Der Sturm!
Für Daniel Thioune stand zwar ziemlich schnell fest: „Ich würde keinem der Jungs unterstellen, dass er die Dinger absichtlich vergibt.“ Doch auch der Trainer des SV Werder Bremen will in der kommenden Saison selbstverständlich eine andere Durchschlagskraft seiner Mannschaft erleben. Deshalb forderte er bereits: „Im Sommer haben wir die Chance, Veränderungen vorzunehmen, von der Spielanlage her und auch personell, damit unsere Offensive mehr Scorerpunkte liefert.“ Mal haperte es schon daran, den Ball überhaupt aussichtsreich in die Gefahrenzone zu bringen – und wenn es dann doch mal geschafft wurde, gab es allzu häufig klägliche Abschlüsse. Werders Harmlosigkeit blieb so ein Dauerthema während der abgelaufenen Saison, was zu allerlei schwachen Noten für die Profis führte, wie der dritte Teil des großen Saisonabschlusszeugnisses der DeichStube aufzeigt. In Zeugnis-Teil eins ging es um Torhüter und Abwehr, der zweite Teil des Zeugnisses drehte sich ums Mittelfeld.
Werder Bremen-Saison-Abschluss-Zeugnis: Samuel Mbangula offenbart Probleme, Marco Grüll fehlt Torgefahr
Samuel Mbangula: Als Werder Bremen den belgischen Kreativspieler im vergangenen Sommer für eine Ablöse von zehn Millionen Euro von Juventus Turin holte, war die Hoffnung groß, dass begeisternder Fußball vor dem gegnerischen Tor zu sehen sein würde. Der inzwischen 22-Jährige gefiel dann zu Beginn auch mit Auftritten gegen Gladbach (Note 1) und St. Pauli (2,5), traf zudem traumhaft als Joker gegen Wolfsburg – doch ansonsten gab es allerlei Probleme. Immer wieder wurde das Rückzugsverhalten Mbangulas kritisiert, seine Einsatzzeiten schrumpften zusammen. Letztlich stand er zwar in 26 Partien auf dem Platz, die ganz großen Lichtblicke gab es aber nicht mehr. Viermal setzte es die Note 5 oder schlechter, Chefcoach Thioune baut darauf, dass in der neuen Saison vieles besser wird.
Durchschnittsnote der DeichStube: 4,1
Einsätze: 26
Gespielte Minuten: 1169
Marco Grüll: Das Fußballjahr endete für den Österreicher äußerst unschön, denn nachdem er jahrelang ein Dauergast in der Nationalmannschaft seines Heimatlandes gewesen war, wurde er letztlich nicht in den Kader für die Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko berufen. Allzu viel Eigenwerbung hatte Grüll zuvor auch nicht betrieben. Zwar heimste der 27-Jährige regelmäßig Lob wegen seines kämpferischen Einsatzes ein und verdiente sich so seine vielen Einsätze, doch Torgefahr strahlte er kaum aus. Auch deshalb hing Werder Bremen vorne oft durch. Kurios: Die einzigen Treffer gelangen ihm wieder einmal nur gegen seine Lieblingsgegner aus Heidenheim (1) und Berlin (2). Es waren jene Partien, die ihm die persönlich besten Noten einbrachten (2x eine 2,5, 1x eine 3).
Durchschnittsnote der DeichStube: 4
Einsätze: 33
Gespielte Minuten: 2012
Saisonabschluss-Zeugnis für Werder Bremens Sturm: Plan mit Keke Topp geht nicht auf, Justin Njinmah wird bester Schütze und Chancentod
Keke Topp: Es sollte die Saison des Youngsters werden – so zumindest der Plan. Werder Bremen verzichtete darauf, dem Gnarrenburger einen unmittelbaren Konkurrenten vor die Nase zu setzen, damit sein Reifeprozess im Windschatten von Victor Boniface ungehindert weitergehen würde. Doch das ging nicht wirklich auf. Topp spielte zunächst wenig, und wenn, dann sehr verkopft. Er traf falsche Entscheidungen oder offenbarte technische Defizite, was ihm das Leben schwermachte. Erst Ende Januar 2026 gelang ihm sein erstes Tor, doch weitere kamen nicht hinzu. Entsprechend hart waren die Noten, beim 0:2 gegen Mainz gab es sogar die 6. Es kam aber noch schlimmer, denn im März riss sich der 22-Jährige bei einem Trainingsspiel das Kreuzband und muss nun lange auf eine Rückkehr zum Team warten.
Durchschnittsnote der DeichStube: 4,5
Einsätze: 20
Gespielte Minuten: 629
Justin Njinmah: Mit fünf Treffern war der gebürtige Hamburger der torgefährlichste Angreifer der Bremer, was schon eine Menge über die abgelaufene Spielzeit des Bundesligisten aussagt. Der 25-Jährige schoss seine Mannschaft dabei unter anderem etwas glücklich zum Sieg in Wolfsburg, wodurch er Werder Bremen im Nachhinein entscheidend Richtung Klassenerhalt schubste. Doch das überdeckt nicht, dass Njinmah auch etliche Chance fahrlässig vergab – was insbesondere im Saisonendspurt zu Tage trat. „Wir befinden uns im leistungsorientierten Fußball. Da darf man erwarten, dass man viele Kontersituationen besser und sauberer abschließt“, hatte auch Trainer Thioune kritisiert. Der 51-Jährige betonte aber zugleich: „Er ist einer der schnellsten Spieler der Bundesliga. Wenn uns jemand Räume auf dem Platz öffnet, dann war es sehr oft er.“ Der Bremer Coach will deshalb im Sommer emsig mit dem Offensivakteur daran arbeiten, dass er ertragreicher agiert – und dann womöglich trotz der verhältnismäßig vielen Einsätze auch bessere Noten erhält als seinen diesmaligen Höchstwert einer 3.
Durchschnittsnote der DeichStube: 4,4
Einsätze: 33
Gespielte Minuten: 1955
Zeugnis für Werder Bremen-Stürmer: Victor Boniface wird warnendes Beispiel, Jovan Milosevic hilft teilweise
Victor Boniface: Das Leihgeschäft mit Bayer 04 Leverkusen war zu keinem Zeitpunkt von Erfolg gekrönt und dient als warnendes Beispiel dafür, wie Werder Bremen sich künftig nicht noch einmal personell aufstellen darf. Der Nigerianer war zu keiner Zeit körperlich in der Lage, an frühere Glanzmomente anzuknöpfen, später sorgte eine Knie-Operation obendrein für einen langen Ausfall. Letztlich blieb es bei elf weitgehend enttäuschenden Einsätzen, von denen lediglich drei dazu taugten, um überhaupt eine Benotung zu erhalten.
Durchschnittsnote der DeichStube: 4,2
Einsätze: 11
Gespielte Minuten: 326
Jovan Milosevic: Der Serbe wurde im Winter auf Leihbasis vom Ligakonkurrenten VfB Stuttgart geholt, um die anhaltende Sturmmisere zu beenden, was mit drei Treffern in seinen ersten acht Spielen durchaus gelang. Doch dann zog er sich eine schwerere Rückenverletzung zu, die ihn völlig aus dem Rhythmus brachte. Im Saisonendspurt war der noch immer erst 20-jährige Angreifer kein großer Faktor mehr. Ob Milosevic eine Zukunft bei Werder Bremen über den Sommer hinaus besitzt, ist offen.
Durchschnittsnote der DeichStube: 3,9
Einsätze: 13
Gespielte Minuten: 483
Saisonabschlusszeugnis: Lichtblick Salim Musah deutet an, warum Werder Bremen große Stücke auf ihn hält
Salim Musah: Womöglich hätte der 20-Jährige schon viel früher seine Qualitäten zeigen können, wenn er nicht allzu oft von muskulären Verletzungen ausgebremst worden wäre. So tauchte der gebürtige Oldenburger erst so richtig auf der Bildfläche auf, als Werder Bremen endgültig im Abstiegskampf steckte. Doch der Youngster wusste trotz der angespannten Gesamtsituation zu gefallen, nach seinem Profidebüt gegen Mainz gelang ihm zwei Wochen später sogar schon das erste Tor während einer 1:2-Niederlage gegen Leipzig. Weitere Treffer folgten zwar nicht, aber Musah deutete an, warum sie an der Weser große Stücke auf ihn halten. Spielt der Körper mit, hat er während der nächsten Vorbereitung beziehungsweise Saison die Gelegenheit, sich noch mehr in den Fokus zu spielen.
Durchschnittsnote der DeichStube: 3,5
Einsätze: 8
Gespielte Minuten: 197
Hinweis: Spieler werden von der DeichStube nur dann benotet, wenn sie mindestens 30 Minuten in einer Partie gespielt haben. Eine Durchschnittsnote wird zudem nur bei mindestens drei bewerteten Einsätzen ermittelt. (mbü)
Rubriklistenbild: © gumzmedia
